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Von Notizen zu Mikrodaten: Hoxell und die stille Transformation des Gastgewerbes

Geschrieben von Hoxell Deutsch | 29 Apr 2026

Davide Bernasconi erklärt uns, wie Hoxell sich nicht als einfaches technologisches Werkzeug etabliert, sondern als Antwort auf einen tiefgreifenden Wandel im Gastgewerbe. Von der Logik von Notizen und fragmentierter Kommunikation hin zu mikrodatenbasiertem Management vollzieht sich ein stiller Wandel, der Effizienz, Organisation und vor allem das Wesen der Arbeit in diesem Sektor beeinflusst.

Ursprung der Geschichte

Manche Geschichten entstehen nicht in Forschungslaboren oder den Elfenbeintürmen der Wissenschaft, sondern hinter den Kulissen des Arbeitsalltags, wo der Beruf lebendig wird. Hoxells Geschichte ist genau das: die Begegnung der konkreten Bedürfnisse eines Hoteliers mit der technischen Neugier eines Profis, der beinahe zufällig eine andere Art der Hotellerie ins Auge fasste.

Die anfängliche Intuition

Im Jahr 2007 teilte Carlo Fontana, Direktor des Hotel Lugano Dante, eine Idee, die heute selbstverständlich erscheint, damals aber fast schon ketzerisch war: die Entwicklung eines digitalen Tools, das die Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Gästen verbessern sollte. Smartphones gab es noch nicht, Tablets waren Zukunftsmusik, doch die Idee, Papier, Haftnotizen und Notizen auf dem Tresen hinter sich zu lassen, nahm Gestalt an. Davide Bernasconi, ein Experte für Hotelmanagement, der seine Managementerfahrung mit seiner Leidenschaft für IT verband, nahm die Herausforderung an.

Vom Experiment zur Plattform

So entstand der erste Prototyp – als natürliche Erweiterung alltäglicher Bedürfnisse. Aus diesem handwerklichen Experiment entwickelte sich eine Plattform, die heute mit über 450 Einrichtungen in Europa kommuniziert, von Fünf-Sterne-Hotels über Krankenhäuser und weitläufige Resorts bis hin zu Universitätsgeländen. Keine von oben verordnete Software, sondern ein Ökosystem, das sich durch das Zuhören auf die konkreten Bedürfnisse derer entwickelt hat, die in Zimmern, Fluren, Küchen und Lagerhallen arbeiten.

Der Covid-Schock und die Branchenkrise

Der Schock der Covid-Pandemie beschleunigte diesen Wandel. Sie legte nicht nur die globale Mobilität lahm, sondern zerstörte auch den stillschweigenden Pakt, der die Hotellerie zusammenhielt. Die Zahlen sprechen für sich: 25 Prozent der ehemaligen Beschäftigten wollen nicht mehr zurückkehren, die Zahl der Stellenangebote ist im Vergleich zu 2019 um 23 Prozent gestiegen, aber nur 12 Prozent sind besetzt, und in Europa gibt es 1,2 Millionen offene Stellen. Selbst an der École Hôtelière de Lausanne, einem weltweit renommierten Ausbildungsinstitut für das Gastgewerbe, entscheiden sich bis zu 70 Prozent der Absolventen für andere Karrierewege, von der Unternehmensberatung bis zum Finanzwesen. Es handelt sich nicht nur um eine Personalkrise, sondern um eine Sinnkrise.

Vom Arbeitskräftemangel zur Arbeitskräftebindung

Das Gastgewerbe war schon immer ein sehr zeitintensiver Beruf, geprägt von endlosen Arbeitszeiten, fast klösterlicher Hingabe und Opfern, die als Initiationsriten galten. Der Lockdown unterbrach diesen jahrhundertealten Kreislauf und bot den Branchenprofis eine Alternative: Zeit mit der Familie, ein weniger unmenschliches Tempo, die Möglichkeit eines anderen Lebens. Wer diese Dimension einmal kennengelernt hat, will sie nicht mehr missen. So entsteht neben dem Fachkräftemangel ein noch gravierenderes Problem: die Mitarbeiterbindung. Es geht nicht nur darum, neue Mitarbeiter zu gewinnen, sondern auch darum, Bedingungen zu schaffen, die ein nachhaltiges Bleiben ermöglichen.

Technologie als Verbündeter

Hier kommt die Technologie ins Spiel – nicht als Ersatz, sondern als Verbündeter. Hoxell hatte nie die Absicht, Roboter zu entwickeln, die Zimmer reinigen, oder Algorithmen, die anstelle von Reinigungskräften und Hausmeistern Entscheidungen treffen. Er wählte einen anderen Weg: die Digitalisierung bestehender Prozesse, die Umwandlung fragmentierter Gesten in lesbare Abläufe und die Nutzung von Mikrodaten, um eine Intelligenz zu entfalten, die Entscheidungen unterstützt, ohne dabei die menschliche Erfahrung zu verdrängen.

Konkrete Anwendungsbeispiele

In einem großen Mailänder Hotel beispielsweise kam die Hausdame früher zwei Stunden vor Zimmerbeginn, um die Zimmer den Reinigungskräften zuzuweisen. Mit Hoxell konnte dieser Aufwand auf elf Minuten reduziert werden. Nicht der Algorithmus entscheidet, wer was zu tun hat, sondern die Hausdame, die weiterhin eine zentrale Rolle spielt. Die Plattform spart ihr Zeit, die sie für Kontrollen, Qualitätssicherung und individuelle Betreuung nutzt. Ein weiteres Beispiel: In einem Krankenhaus hat die Digitalisierung von Checklisten die Anzahl der Fälle von Kommunikationsfehlern, die zu einer Prophylaxe führen, von zwanzig auf zwei pro Monat reduziert. Es geht hier nicht um ein technisches Detail, sondern um den Ausgleich zwischen hohen Kosten und Einsparungen, zwischen Gesundheitsrisiken und Sicherheit.

Abfall reduzieren und Effizienz steigern

Die Stärke der Plattform liegt genau darin: Reibungsverluste zu minimieren und den unsichtbaren Aufwand an Zeit, Papier und Energie zu reduzieren. Die Zahlen sprechen für sich: 75 Prozent weniger interne Telefonate, vollständiger Verzicht auf Papier, 15 Prozent weniger Lebensmittelabfälle beim Frühstück und jährliche Einsparungen von 24.000 € an Tonerkosten allein in einer einzigen Einrichtung. Das sind keine abstrakten Konzepte, sondern konkrete, greifbare Vorteile.

Der Kulturwandel

Doch es geht nicht nur um Effizienz. Es geht um einen kulturellen Wandel. In einem Sektor, in dem die Angst vor der Digitalisierung noch immer weit verbreitet ist und die Rhetorik „Meine Mädchen werden es nie schaffen“ weiterhin kursiert, zeigt Hoxell, dass das Problem nicht die Technologie, sondern die mentale Widerstandsfähigkeit ist. Ein Trainingsprogramm, das 2009 noch vier Stunden dauerte, wird heute in einer halben Stunde absolviert, denn selbst diejenigen, die sich selbst als „technikfern“ bezeichnen, haben heutzutage täglich ein Gerät in der Tasche. Die eigentliche Hürde ist nicht die Benutzerfreundlichkeit, sondern die Vorstellungskraft.

Die philosophische Dimension der Digitalisierung

Hier stellt sich die philosophische Frage. Die Digitalisierung im Jahr 2025 sollte keine Angst mehr auslösen, genauso wenig wie uns die tägliche Nutzung von Smartphones oder E-Mails erschreckt. Sie ist heute eine selbstverständliche Sprache. Die Herausforderung besteht darin, diese Sprache zu nutzen, um der Arbeit ihre Würde zurückzugeben. Nicht um sie strafend zu kontrollieren, sondern um sie fließender, weniger fragmentiert und anerkannter zu gestalten. Nicht um den menschlichen Faktor zu reduzieren, sondern um ihn zu stärken.

Von Big Data zu Mikrodaten

Hoxells Philosophie ist klar: nicht Big Data, sondern Mikrodaten. Keine abstrakten Visionen, sondern detaillierte Informationen, die fundierte Entscheidungen ermöglichen. Wie viele Minuten länger dauert es, ein Zimmer mit Hund zu reinigen? Wie viele Glühbirnen brennen im selben Flur durch und deuten auf ein bauliches Problem hin? Wie viel Zeit vergeht zwischen der Meldung eines Mangels und seiner Behebung? Das sind konkrete Fragen, die sich nur durch die Beobachtung kleinster Details der Arbeit beantworten lassen.

Kulturelle Übersetzung von Operationen

In diesem Sinne ist Hoxell keine Software, sondern ein Beispiel für kulturelle Übersetzung. Es übersetzt die fragmentierte Sprache der Gastronomie (Notizen, Telefonate, handschriftliche Schichtpläne) in eine digitale Syntax, die Komplexität strukturiert, anstatt sie zu beseitigen. Es ist der Wandel von einer reaktiven zu einer präventiven Wirtschaft. Es ist die stille Transformation eines Sektors, der sich nicht länger allein auf Leidenschaft und Opferbereitschaft verlassen kann, sondern systemische Nachhaltigkeit aufbauen muss.

Die Zukunft der Arbeit im Gastgewerbe

Im Kern geht es um die Zukunft der Arbeit im Gastgewerbe. Über Work-Life-Balance zu sprechen, reicht nicht aus. Wir brauchen ein radikaleres Konzept: Work-Work-Balance. Nicht länger ein Job, der sich in endlosen Stunden, Ineffizienz und Überlastung selbst aufzehrt, sondern ein Job, der sich wieder ins Gleichgewicht bringt und durch hilfreiche Tools Sinn und Lebensqualität zurückgewinnt.

Eine Infrastruktur des Vertrauens

Hoxell wurde von Hoteliers für Hoteliers entwickelt, und genau darin liegt wohl seine größte Stärke. Es ist nicht die Vision eines externen Technologieanbieters, sondern die von Menschen, die den Stress einer Nachtschicht an der Rezeption, den Druck eines frühen Check-ins und die Bedeutung eines perfekt gefalteten Handtuchs verstehen. Deshalb sehen Kunden die Plattform nicht als Software, sondern als Partner. Aus diesem Grund ist die treffendere Bezeichnung nicht „operatives Management“, sondern „vertrauenswürdige Infrastruktur“.

Fazit: eine stille Transformation

In einer Welt, in der das Gastgewerbe vom Aussterben bedroht ist, sind Tools wie Hoxell kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Sie retten Hotels zwar nicht vor einer Krise des Gastgewerbes, aber sie machen sie zu einem Ort, an dem Arbeit würdevoller, nachhaltiger und menschlicher erlebt werden kann. Technologie ist somit kein Feind der Branche, sondern vielmehr das Mittel, ihr ursprüngliches Versprechen neu zu definieren: die Fürsorge für Menschen. Nicht nur für Gäste, sondern auch für all jene, die dieses Erlebnis täglich ermöglichen.



 

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